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Wieso, weshalb, warum – der Social Media Shitstorm

Wieso-weshalb-warum-der-Social-Media-Shitstorm

Das Internet-Phänomen Social Media Shitstorm ist ein „Sturm der Entrüstung“, der durch das Web rast. Die Kommentare, die er hinterlässt, liegen oft weit unter der Gürtellinie. Mittlerweile wird sein Gegenpol Candystorm genannt, wobei jemand oder etwas mit besonders vielen Liebes- und Solidaritätsbekundungen überhäuft wird. Einer der ersten Shitstorms wurde 2005 von einem Blogger angestoßen, der sich in seinem Blog über den PC-Hersteller Dell und den dazugehörigen Support beklagte. Viele Dell-Kunden wurden darauf aufmerksam und beklagten sich ebenfalls. Dies wurde in den Medien weltweit öffentlich und kurz darauf „Dell-Hell“ getauft.

Wie kommt es zu einem Social Media Shitstorm?

Ende März diesen Jahres ist das Angebot, einen Shitstorm zu kaufen, von vielen Medien verbreitet worden. „Wir potenzieren Ihren Unmut und fluten bei Facebook die Fanseiten mit Kommentaren und Likes.“ Eine Guerilla-Marketing-Agentur hat sowohl Shitstorms als auch Candystorms  für einen Preis ab 4.999 Euro angeboten. Die Medien berichteten teilweise empört darüber. Das Angebot fand eine gigantische Medien-Präsenz. Doch nach kurzer Zeit stellte sich das Ganze als Satire-Streich heraus, als PR-Gag.

Shitstorms funktionieren nach dem Schneeballprinzip

Ein Shitstorm attackiert meist Unternehmen aufgrund einer unpassenden oder auch sehr diskussionswürdigen Tätigkeit oder Aussage. Es entstehen oft Millionen von Kommentaren auf unzähligen Web-Seiten, Foren, Blogs und Plattformen. Es finden sich viele Gleichgesinnte, die sich gegen ein Unternehmen solidarisieren und gemeinsam wütend sind. Meist entwickeln sich diese Kommentare dann von zunächst noch argumentativ nachvollziehbaren, sachlichen Äußerungen zu aggressiven und unsachlichen Beschimpfungen. Die Hemmung der Beteiligten, die entsprechende Firma zu diffamieren, fällt mit jedem weiteren böswilligen Kommentar. Ein unaufhaltbarer Sturm zieht auf, der oft reale, finanzielle Schäden verursacht, denn Absatzeinbußen sind durchaus möglich.

Guter Shitstorm – böser Shitstorm

In der Vergangenheit gab es schon einige Internet-Shitstorms, die auch in den klassischen Medien (also außerhalb des Webs) diskutiert wurden. Dies hatte indirekt manchmal auch positive Effekt für das Unternehmen, sofern bedacht und souverän mit der Kritik und dem Shitstorm umgegangen wurde. Wird respektvoll reagiert, lobt die Web-Welt auch ein solches Vorgehen.

Pril: Das Design mit den meisten Votings "Hähnchengeschmack"
Quelle: mein.pril.de

Pril startete einen Facebook-Aufruf, bei dem die Fans das Design einer Pril-Flasche gestalten durften und alle Fans voten konnten, welches gewinnen sollte. Laut der Voting-Klicks sollte eigentlich ein Design mit einem Hähnchen gewinnen.

Die Pril-Gewinner-Flaschen
Quelle: facebook.com/pril

Doch das Pril-Komitee brachte kurzer Hand eine Jury ins Spiel, die die Auswahl des neuen Designs bestimmte und ignorierte somit die Wahl der Fans, die dann kommentierten: „Traurig aber jetzt gibt es halt kein Pril mehr zu Hause.“ Ein Shitstorm negativer Kommentare flutete das Netz. Wie sich daraufhin die Verkaufszahlen von Pril veränderten, ist leider nicht bekannt.

Kein Opfer eines Shitstorms hingegen wurde der Versandhandel Otto. Otto rief seine Fans bei Facebook zu einem Online-Modelcontest auf und ließ unter 50.000 Bewerbern einen Sieger wählen. Die meisten Votings bekam  „Der Brigitte“: ein BWL-Student, der sich als Frau verkleidet hatte. Otto ließ sich nicht lumpen und der als Frau verkleidete Mann gewann das Model-Shooting. Die Fans jubelten.

"Der Brigitte" bei dem OTTO-Modelcontest auf Facebook
Quelle: facebook.com/Otto

Der Internet-Pranger, an den ein Unternehmen gestellt werden kann, ist vor allem der Anonymität des Internets zu verdanken. Die User können in den sozialen Netzwerken öffentlich ihre Schmähkritik loswerden, ohne selbst dabei etwas von sich preiszugeben. Die User nutzen diese Anonymität als Möglichkeit, ihre freie Meinung zu äußern. Die Profile von Unternehmen in den Social Networks eigenen sich natürlich sehr gut dazu. Doch es sollte durch die Wahrscheinlichkeit eines Shitstorms keinesfalls in Frage gestellt werden, sich als Unternehmen in den sozialen Netzwerken zu präsentieren: Die Vorteile überwiegen einfach. Lesen Sie dazu, wie Sie Social Media-Strategien richtig nutzen können.

„Wer sich nicht ab und zu gegen einen Shitstorm wehrt, lebt verkehrt.“ (Zitat: Wolfgang Röhl im Artikel „Shitstorm für alle„)

Wie Sie als Unternehmen souverän Schadensbegrenzung nach einem Shitstorm betreiben können, lesen Sie in unserem nächsten Beitrag.